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Weshalb mich meine Liebhabereien stark machen


Was für ein Thema: ich überlege mir, wofür ich mich schäme. "Scham" ist ein weitgehend tabuisiertes Thema. Und erstaunlich, dass das so ist, denn an Offenheit, auch über die absurdesten privaten Vorlieben zu erfahren, mangelt es nicht, schaut man sich journalistisches Kurzfutter und Post's an.

Und eine Geständnis-Kultur gibt es auch - wenn auch nur verhalten. So gibt es die Fuck-Up-Nights, die - abgesehen von dem recht garstigen Titel - erlauben, einer breiteren Gruppe zu zeigen, wo man schon mal gescheitert ist. Das hat Vorteile, weil man sein Denken aufbricht, ein etwaiges Tabu bricht ("ich bin gescheitert"), aber auch zur Folge hat: eigentlich braucht es ja dann ein Erfolgsende. Da, genau da, kam dann der Erfolg nach 17mal probieren.

Sich zu vergegenwärtigen, wofür man sich denn schämen würde, wenn das - trara - heute noch rausposaunt würde über twitter und die Gratiszeitung, ist wichtig. Weil: nicht wegen des Spruches "ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich ungeniert", sondern weil dann die Angst gebannt ist. Es entsteht ein Gefühl für das "Ich". Nämlich: achso, ja genau, das gehört zu mir. Es ist also auch ein Weg zur berühmt-berüchtigte Authentizität. Dazu gibt es ein Video von mir hier.


Also: stehen wir doch dazu - abgesehen vom gesundheitsgefährdenden Effekt, den ich hier nicht ausklammere, den muss jede/r selbst verantworten. Eine Bekannte sagte mal - schwierig zu sagen mit welcher Anwandlung; kokett könnte man sagen - sie sei durchaus ein wenig schokoladensüchtig.

So mag es also sowas sein...




oder sowas. Wie erwähnt: gesundheits- und hirnschädigende Wirkungen obliegen der individuellen Verantwortung. Aber auch: es gibt eine Debatte, ob man eigentlich noch "dies oder das" sein darf: also unfallgefährdenden Sport treiben oder übergewichtig sein. Die NZZ titelte neulich: "In einem liberalen Land darf der Bürger zu dick sein". Und eine andere Bekannte berief sich einmal auf ein "Recht auf Rausch".



Mein Hobby, dessen ich mich durchaus ein wenig schäme, ist weniger im rauschhaften Bereich - ausser Tee und Kaffe, die bekanntlich süchtig machen - und ja, diese Sucht ist mir sehr bekannt. Wegen der sehr grossen Verbreitung ist mir das weniger peinlich, dafür ist es mir unangenehm zuzugeben, dass ich gerne mit Farbstiften male. Und zwar die (eigenen) Fotoalben ausmalen. Ich mache das schon seit Jahren: ich habe eine Heidenfreude, das Leben unserer Familie zu dokumentieren. Da werden die Fotos also ausgedruckt, bisweilen noch zugeschnitten und dann mit Tape-Band in ein Fotoalbum geklebt. Und dazwischen - jetzt kommt's - male ich Bildchen oder betitele die Ereignisse mit meinem Arsenal an Farbstiften, die ich meiner Tochter abgeluchst habe. Teils sind da noch Reststücke aus der Kindheit meines Mannes oder von mir vorhanden. Diese aufzubrauchen und dabei immer wieder schön zuzuspitzen, macht mir riesengrosse Freude.

Schön dämlich, nicht? Ich spiele also kein Golf in meiner Freizeit oder besuche Whisky-und-Schokolade-Workshops, sondern zeichne vor mich hin. Mit Hingabe wie in Kind und ich erlebe dabei natürlich auch den Flow. Ich bin drin und geniesse das stundenlang. Bis eine Ladung Fotos mal wieder aufgebraucht und ein halbes Jahr dokumentiert ist mit Urlaub und Geburtstagen.

Und: ich zeichnet nicht etwa "wie ein Profi". Ich verusche es, so wie es kommt, ich beobachte oder zeichne ab und oft sind es auch einfach Muster, die ich erfinde. Also "art brut".


Und ja, ich habe meine Lieblingsfarben: hellgrün, hellgelb und orange, bisweilen pink und b

Blautöne. Eher weniger zu Zuge kommen grau und violett. Manchmal kommt auch ein Bleistift dazu - ich zitiere nämlich manchmal auch Menschen im Fotobuch oder kommentiere ironisch ein Foto. Bleistifte liebe ich, wenn sie viel Graphit haben und ich viel drücken kann, damit sie ausdrucksstark werden.




Stark und fröhlich macht mich das, wenn ich mir die Freude vergegenwärtige, dies zu tun - gerade jetzt lächle ich auch.

Also: Fazit fürs Selbstmanagement und für ein starkes Ich: geniesst, was Ihr liebt. Egal, ob es die Plastikentche in der Badewanne ist, der Babybrei oder die Hundekekse 😉


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